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  • Miriam

Kröten schlucken leicht gemacht - Eine Anleitung in drei Anekdoten


Denn schon ein kleiner Gedanke kann einen großen Unterschied machen!

1. Ich hasse Staubsaugen.

Bin generell kein großer Freund von Hausarbeit, aber Staubsaugen – ne, wie das nervt! Heute aber (Besuch hatte sich angekündigt...) musste es nun mal wirklich sein. Mit Erstaunen stellte ich dann aber beim Einbiegen des Saugfußes unter den Esstisch fest, wie sich meine Gereiztheit wandelte. Das klackernde Geräusch der im Staubsaugerrohr verschwindenden Krümel und vertrockneten Essensreste der letzten Wochen, das kleine Ploppen, wenn sie von innen den Schlauch und meinen Griff darum passierten, gaben mir das Gefühl, dass sich diese saublöde Arbeit heute wirklich richtig lohnt. Ich überlegte mir, wenn ich es schaffen könnte, von nun an VOR jedem Staubsaugen genau daran zu denken: an die kleinen hübschen Geräusche, das Klackern im Griff, das Gefühl von „es lohnt sich“ – dann wäre das schon fast so gut, wie meinen Mann dazu zu bringen, das Staubsaugen zu übernehmen.


2. Wir hatten für einige Zeit einen Kaninchenstall im Hof stehen.

Selbstverständlich mit Kaninchen drin. Kaninchen sind sehr süß und knuddelig und machen sehr niedliche kleine Köttelchen, aber der Reiz, auf Knien in einem engen Stall herumzukriechen und auszumisten, hielt sich doch sehr schnell sehr in Grenzen. Gerade auch bei den eigentlichen Kaninchenbesitzern, nämlich meinen Kindern. Ich werde nie den Tag vergessen, als ich sie (wahrscheinlich unter moralischem Druck und Androhung schlimmer Konsequenzen) schließlich doch irgendwie dazu brachte, mit den Reinigungsarbeiten zu beginnen. Was soll ich sagen (war es die Verknappung der Ressourcen? - es gab nur einen Handfeger und ein Kehrblech, und im Stall war immer nur Platz für ein Kind zur selben Zeit) all das führte dazu, dass meine Jungs innerhalb kürzester Zeit darum stritten („führten Krieg“ wäre passender, aber das klingt so martialisch...) wer wie viele Köttel ausmisten dürfe. Und wo es kurz vorher noch hieß: „Neiiiin, ich will nicht ausmisten, Nr.1 (Nr.2) ist diesmal dran!“ wurde jetzt gebrüllt: „Ich will endlich auch mal wieder fegen, Nr.1 (Nr.2) hat letztes Mal schon alles alleine gemacht! Das ist UNFAIR!!!!“

Wenn ich es also irgendwie geschafft hätte (noch besser die Kinder selber...), dieses Gefühl von der unglaublichen Wichtigkeit und Schönheit der Anzahl ausgefegter Köttel aufrecht zu erhalten, dann, ja dann wäre mein und unser Leben in den folgenden Jahren ein anderes, besseres gewesen...


3. Kochen gehört ebenfalls nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Kürzlich sollte es Pizza geben. Als gute Mutter hatte ich obendrauf wahnwitzig viel Gemüse geschichtet (man kriegt zumindest den Rand trotzdem irgendwie knusprig, wenn man lange genug backt, auch wenn es im Zentrum gerne etwas matscht). Es war Zeit, die Pizza aus dem Ofen zu nehmen, also versuchte ich, sie am Backpapier ziehend auf ein Brett zu bugsieren. Wie genau ich es angestellt habe, kann ich nicht sagen, aber die Pizza, die (möglicherweise?) aufgrund ihres matschigen Zentrums über zu wenig Eigenspannung verfügte, landete nicht auf dem Brett, sondern auf dem Boden des Backofens. Selbstverständlich mit dem Belag voran. Wer hätte das nicht als persönlichen Angriff gewertet?! Ich habe also auf die einzig angemessene Art reagiert und geschrien. „Scheiße, Scheiße, Scheiße......!!!!!“. Ziemlich lange. Und dann? Tauchten meine Jungs auf. „Mama, das macht doch nichts.“ „Das ist doch gar nicht schlimm, Mama.“ „Komm her, lass dich erstmal drücken.“ „Wir kriegen das schon wieder hin.“ „Die kann man doch bestimmt trotzdem noch essen.“ „Das sollte man viel häufiger machen, dann sieht man mal so richtig, wie das von unten aussieht.“ Und dann haben wir zusammen gelacht. Und eins dieser Goldstücke hat unaufgefordert den Backofen geputzt. Und das andere extra viel gegessen, sogar das ganze Gemüse... Wenn ich mich also in Zukunft vor dem oder beim Kochen daran erinnern würde, wie herrlich es sein kann, mit Essen zu spielen, dann hätte ich vielleicht sogar hin und wieder Spaß daran.


Und jetzt finde ich heraus, welcher Gedankentausch mir hilft, morgen meine Steuererklärung fertig zu machen.

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