Suche
  • Miriam

Leidest Du noch oder lernst Du schon? Spaß - noch immer eine unterschätzte Größe beim Lernen

Wenn wir uns vornehmen, etwas wirklich Wichtiges zu lernen, dann ist das in unserem Denken meist automatisch mit Anstrengung und Schwierigkeit verbunden. Im Umkehrschluss ist etwas, das uns leicht fällt oder sogar Spaß macht, nichts oder weniger wert.

Wir sollten uns um das Gegenteil bemühen: Je wichtiger etwas ist, desto mehr sollten wir für Spaß und Leichtigkeit beim Lernen sorgen. Warum? Weil uns das hilft, länger durchzuhalten und so die nötige Übung zu bekommen.


Als ich Kind war, habe ich viele verschiedene Sachen ausprobiert. Unter anderem war ich mal Mitglied im MTV Freiheit, wo ich das Schwimmtraining besuchte. Meine Freundinnen waren mit von der Partie, und so ging ich gerne hin, auch wenn ich keine besonders gute Schwimmerin war.

Das war mir eigentlich gar nicht aufgefallen - bis wir allesamt zu den Kreismeisterschaften angemeldet wurden. Ich stand auf der Liste für Kraulschwimmen, keine Ahnung, warum.

Motiviert stand ich auf dem Startblock, sprang aufs Startsignal voller Energie ins Wasser und schwamm um mein Leben.

Das Ergebnis war ernüchternd. Ich kam als 14. von 15 Teilnehmerinnen ins Ziel, nach Luft schnappend und kurz vorm Ertrinken.

Danach war mir klar: Kraulschwimmen, das kann ich nicht. Das ist schwierig, das fühlt sich schrecklich an, das ist unglaublich anstrengend, das lasse ich. Und das war’s dann auch für mich beim MTV Freiheit.

Jetzt könnte man sagen, „Na, warum hast du dich denn nicht ein bisschen mehr angestrengt und reingehängt? Das hättest du doch trainieren können?! Da muss man sich durchbeißen!“

Aber meine Motivation war dahin.

Und es gab ja genügend andere Sachen, die Spaß machten, und bei denen mehr Erfolg für mich drin war. Volleyball zum Beispiel. Da schaffte ich es mit meiner Mannschaft bis zur Landes-Jugendmeisterschaft in Emmerich! Oder Musik machen. Gänzlich ohne Wettbewerb mit anderen zusammen in Chor und Orchester.



Der Wunsch nach Spaß ist menschlich


Ja, manchen Menschen reicht es als Belohnung aus, am Ende eines Lernprozesses eine bestimmte Fähigkeit zu besitzen. Der Weg dahin ist ihnen egal. Häufig hört man in diesem Zusammenhang Durchhalteparolen mit Begriffen wie "sich durchbeißen".

Aber die allermeisten Menschen beschäftigen sich nicht gerne dauerhaft mit Dingen, wenn sie ihnen keinen Spaß machen oder mühsam sind.

Und wir sollten aufhören, das zu verteufeln - ganz einfach, weil es menschlich ist.


Stattdessen akzeptieren wir widerspruchslos so grässliche Sätze wie: „Lernen hat bittere Wurzel, aber süße Frucht.“ Und „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“


Liegt es an unserem deutschen Naturell oder am Protestantismus, dass bei uns „Spaß“ und „Leichtigkeit“ im Zusammenhang mit „Lernen“ als unseriös angesehen sind? Ich weiß es nicht.

Ich persönlich habe vielfach in meinem eigenen Werdegang erlebt, dass es bei all den Dingen, deren Erlernen Zeit und regelmäßiges Üben braucht, elementar ist, dass sie uns in irgendeiner Weise Vergnügen bereiten. Oft reicht es dafür schon aus, wenn wir stetige Erfolge oder Fortschritte erkennen. Wenn sie uns leicht fallen oder einfach erscheinen, kommt die Freude meist schnell von selbst.

Dass ich als Sängerin erfolgreich geworden bin, hat (unter anderem!) damit zu tun, dass mir das Üben immer Spaß gemacht hat. Ich habe es nie als anstrengend empfunden, obwohl ich zeitweise wirklich viel geübt habe. Und dass ich in Schule und Studium gut klar gekommen bin, lag daran, dass ich mich schon immer für verschiedenste Dinge begeistern konnte, sobald ich mich etwas tiefergehend mit ihnen beschäftigt habe.

Kochen dagegen interessiert mich nicht die Bohne - und obwohl ich gerne esse, werde ich es da nie zur Meisterschaft bringen. Ich ruiniere sogar Spiegeleier, weil mich Kochbücher zu Tode langweilen.


Das ist nur Spaß, das kann weg!


Ich las kürzlich ein Interview mit einem Bildungsforscher, der die Bundesregierung berät im Hinblick darauf, wie mit möglichen Lern-Defiziten der Kinder durch die Corona-Maßnahmen umzugehen sei.

Er ist der Ansicht, dass am besten für eine Weile nur Mathe und Deutsch unterrichtet werden sollte, um die Fähigkeiten der Kinder in den „Schlüsselfächern“ für eine spätere Berufslaufbahn in der Wirtschaft sicherzustellen. Die übrigen Fächer müssten dann eben für eine Weile gestrichen werden. Traurig, aber leider, leider nicht zu ändern.

Als ich das meinem 9-jährigen Sohn erzählte, reagierte er mit Entsetzen: „Aber das sind meine Lieblingsfächer, dann macht Schule ja GAR keinen Spaß mehr!“

Vermutlich reagieren die allermeisten Grundschüler so darauf. Leider fragt sie keiner.


"Das ist nur Spaß, das kann weg!", so scheint der Gedanke dahinter zu lauten. Dabei ist er doch das, was zum entscheidenden Lernerfolg beiträgt und uns bei der Stange hält. Lieber nimmt man in Kauf, dass Kinder schon früh Schule insgesamt ablehnen, als ein bisschen Zeit für Spaß zu reservieren. Mal ganz abgesehen davon, dass selbstverständlich auch in den "Nebenfächern" zentrales Wissen und Fähigkeiten vermittelt werden.


Wir messen mit zweierlei Maß. Denn: Wie halten wir Erwachsenen selber es denn mit der Weiterentwicklung und dem Lernen?

Wären wir bereit, uns längere Zeit mit etwas zu beschäftigen, das uns weder Spaß macht noch uns besonders interessiert? Ich glaube kaum. Es sei denn, es wäre eine ordentliche Belohnung im Spiel, in Form eines finanziellen Bonus zum Beispiel.

Um die Kinder zum Lernen zu bewegen, gibt es stattdessen ein Notensystem, damit man ein Druckmittel in der Hand hat. Das ist (neben der Ernsthaftigkeit) die andere Heilige Kuh unseres Bildungssystems.


Knäckebrot und Peitsche sozusagen.


Wie sieht es aus mit all den Fremdsprachen, die wir längst lernen wollten? Habt Ihr mehr geschafft als die ersten fünf Lektionen? Solange wir alleine zu Hause über unseren Büchern und Aufnahmen hocken, hält die Langeweile Einzug, noch bevor wir in der neuen Sprache nach dem Weg zum nächsten Supermarkt fragen können, und wir geben auf.

Habt Ihr schon mal eine Sportart länger durchgehalten als drei Wochen, wenn sie Euch keinen Spaß gemacht hat? Eher selten, vermute ich. Vielleicht wird der eine oder die andere angetrieben von der Sorge um die Gesundheit und bleibt bei der Stange. Viel eher aber suchen wir nach Alternativen, die uns Spaß machen.


Ich bin Gesangslehrerin, Stimmtrainerin und Coach für Musiker*innen.

Natürlich liegt mir besonders am Herzen, dass meine Schüler*innen und Klient*innen ihre Unterrichts- oder Coaching-Ziele erreichen. Die können ganz unterschiedlich sein.

Für einige steht die Freude am Singen im Vordergrund, für andere die persönliche oder stimmliche Weiterentwicklung mit konkret messbaren Ergebnissen. (Ein Grund, warum ich vom Wingwave-Coaching so überzeugt bin, ist übrigens, dass es unglaublich schnell zum Ziel führt).

Je länger aber der Weg zum Ziel ist, desto wichtiger ist es mir, dafür sorgen, dass die einzelnen Schritte Spaß machen und viele kleine Zwischenerfolge alles so mühelos erscheinen lassen, dass die Motivation erhalten bleibt.

Um inhaltlichen Ziele und Freude an der Sache miteinander zu verknüpfen, ziehe ich alle Register.

Auch mein Buch „49 StimmErfolg Alltagstipps“ ist so aufgebaut: Aus einfachen Übungen, die sich bequem in den Tagesablauf integrieren lassen – so dass die Leser*innen über 49 Tage hinweg mit kleinen Schritten viel erreichen. Meine Kund*innen wissen das zu schätzen.


Statt "Knäckebrot und Peitsche" lieber "Smoothies und Springseil"


Es ist legitim, nach Spaß und Freude zu fragen, wenn wir etwas Neues lernen. Und wir sollten uns dafür einsetzen, diesen Gedanken weiter zu verbreiten. Ganz einfach, weil das zu besseren Ergebnissen führt.

Kompliziert kann jeder. Wir sollten uns (und den Kindern!) statt "Knäckebrot und Peitsche" eine Runde Smoothies und Springseile gönnen.


Ich habe es übrigens vor zwei Jahren nochmal mit dem Kraulschwimmen probiert.

Ein älterer Herr neben mir im Becken hatte den bemerkenswerten Satz zu mir gesagt: „Wer so schön brustschwimmen kann wie Sie, der kann auch kraulen.“

Das klang nach Leichtigkeit und Eleganz - und überhaupt nicht nach Anstrengung und Ertrinken. Das klang nach einem ganz kleinen Schritt, der eine bereits vorhandene Fähigkeit mit einer neu zu erlernenden verknüpfte.

Und so bin ich nach drei Jahrzehnten ganz, ganz gemächlich wieder eine Bahn gekrault. Und dann noch eine. Und beim nächsten Mal gleich zehn. Es war kein bisschen schwer, so ganz ohne Druck und mit Spaß und Neugier an der Sache.


Wenn Du mit Spaß und Leichtigkeit singen lernen, Deine Stimme und Dein Auftreten trainieren oder als Musiker*in Deine beruflichen Herausforderungen angehen möchtest, dann meld Dich gerne bei mir.



64 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen