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  • Miriam

„Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht, du wirst auf jeden Fall recht behalten."

Das sagte schon Henry Ford.

In meiner Abschlussarbeit zum NLP-Master habe ich mich damit beschäftigt, welche Kriterien für den Erfolg als freiberufliche*r Musiker*in ausschlaggebend sind.

Wenig erstaunlich: wir unterscheiden uns nicht wesentlich von anderen Berufstätigen oder Leistungssportlern. Ein wesentlicher Faktor für Erfolg sind positive Überzeugungen, Glaubenssätze.



Unsere Gedanken manifestieren wir in Worten, die sehr mächtig sein können. Und schon kleine Wort-Spielereien können große Veränderungen in vermeintlichen Überzeugungen bewirken.

Zu Beginn der Corona-Krise war ich z. B. der festen Überzeugung: „Ich kann einfach gar nichts machen.“ So ein Satz verselbstständigt sich ganz leicht und führt zur Erstarrung.

Im NLP gibt es die Methode des Slight of Mouth, 14 Taschenspielertricks für die Sprache, die behindernde Glaubenssätze aufweichen können.

Auf meinen Satz „Ich kann einfach gar nichts machen.“ angewendet, ist folgendes entstanden:

1. Welche positive Absicht steckt hinter dem Satz?

Er trägt zu meiner Beruhigung bei und bestärkt mich im Gedanken, dass es richtig ist, mich nicht zu bewegen und nichts tun zu müssen. Ich kann mich „entspannt“ zurücklehnen.

2. Wenn ich ein Wort durch ein Synonym ersetze, dann wird z. B. aus dem Satz:

„Ich will einfach gar nichts machen.“

Das muss man erstmal aushalten. In mir regt sich natürlich sofort Widerspruch. Meine Gedanken kommen in Bewegung, suchen Argumente, Gegenbeweise.

Ich kann auch den Satz bilden: „Ich kann leicht gar nichts machen.“, im Sinne von „Es ist leicht, nichts zu machen.“ (Etwas zu machen, wäre schwieriger...)

3. Ich frage nach den Konsequenzen, die der Satz mit sich brächte, wenn er wahr wäre. Das führt mich zu: „Ich kann wirklich gar nichts machen. Ich bleibe von nun an im Bett liegen und rühre mich nicht von der Stelle.“

4. Gegenbeispiele können auch weiterhelfen: „Es gibt Kollegen, die auf die Krise hyperaktiv reagieren!“

5. Ich kann konkreter werden: „Was genau heißt denn gar nichts?“ „Wie sollte dieses Machenaussehen?“ So wird Generalisierungen entgegengewirkt.

6. Verallgemeinernd könnte ich sagen: „Machen das alle Künstler*innen so? Sie sitzen jetzt nur noch zu Hause und machen gar nichts?!“ Oder: „Ist das in jeder Krise so, dass man zu Hause sitzt und nichts macht?“

7. Metaphern und Analogien aus einem anderen Zusammenhang sind ein gutes Mittel, unsere Gedanken in Fluss zu bringen: „Die Situation ist der des Kaninchens vergleichbar, das vor der Schlange erstarrt.“ Oder: „Die besten schlagfertigen Antworten fallen einem immer erst später ein.“

8. Auf sich selbst angewendet könnte der Satz lauten: „Ich denke diesen Satz ständig. Also mache ich ja schon etwas.“ Oder: „Wenn ich ständig damit beschäftigt bin, diesem Gedanken nachzuhängen, kann ich ja gar nichts anderes mehr machen.“

9. Auf der Suche nach einem übergeordneten Ziel wird aus dem Satz: „Es geht nicht darum irgendetwas zu machen. Es geht darum, irgendwie (mit allen denkbaren Mitteln) meinen Lebensunterhalt zu sichern.“

10. Manchmal ist es hilfreich, auf noch wichtigere Dinge/Werte zu schauen: „Auch wenn ich in meinen Möglichkeiten derzeit eingeschränkt bin, so kann ich froh sein, gesund zu sein und zur Gesundheit aller einen Beitrag zu leisten.“

11. Aus einer Meta-Ebene heraus kann ich einen neuen Glaubenssatz entwickeln, der mir hilft, den anderen besser einzuordnen. „Vielleicht glaube ich das auch nur, weil ich bisher noch zu ängstlich bin, substantiell etwas zu verändern.“

12. In einem anderen Modell der Welt gilt es als erstrebenswert, möglichst wenig zu tun. Angeblich gibt es ja sehr viele Menschen, die am liebsten auf der faulen Haut liegen und die Allgemeinheit für sich sorgen lassen wollen.

13. Wenn ich den Kontext verändere, in dem ich den Satz sage oder denke, dann eröffnet sich eine neue Perspektive: Okay, das ist jetzt gerade eine schwierige Phase, aber im Gesamtblick auf mein Leben werde ich möglicherweise wehmütig an diese Zeit zurückdenken, in der ich nicht von Terminen getrieben war.

14. Und schließlich kann ich einen Realitätscheck machen: „Woher nehme ich die Gewissheit, dass ich gar nichts machen kann? Welche Beobachtungen haben zu dem Gedanken geführt?“

Manche dieser Sprachtricks finde ich wirkungsvoller als andere. Mein Favorit ist Nr.2. Er bringt oft eine ganz neue Perspektive in die Sache. Die Sätze dürfen gerne etwas provozieren oder versuchen, die Sache mit Humor zu betrachten. Sie alle helfen auf die eine oder andere Art, vermeintliche Gewissheiten oder hinderliche Denkmuster zu durchbrechen, um unsere Ziele und Wünsche zu verwirklichen und uns mehr Handlungsalternativen zu geben.

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