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  • Miriam

Maria durch ein‘ Dornwald ging - Weihnachtslieder singen leicht gemacht

Aktualisiert: 24. März

Alle Jahre wieder... singen alle Weihnachtslieder

...und strafen so Aussagen wie „die Menschen singen nicht mehr“ Lügen.

Ich wage die steile These, dass die allermeisten Mitbürger:innen zumindest ein Weihnachtslied singen können – oder es doch gerne können würden.

Für die, die gerne würden, aber ein bisschen Hilfe gebrauchen können, habe ich eins meiner Lieblings-Weihnachtslieder, „Maria durch ein Dornwald ging“, stimmtechnisch unter die Lupe genommen.


Im Video seht Ihr eine Aufnahme mit mir als Sängerin und Imke Marks am Klavier.


Und hier nun also meine Tipps, die hoffentlich beim Vor-, Nach- oder Mitsingen helfen:


Der Text

1. Maria durch ein‘ Dornwald ging,

Kyrie eleison!

Maria durch ein‘ Dornwald ging,

der hat in sieb‘n Jahr’n kein Laub getragen,

Jesus und Maria!


2. Was trug Maria unter ihrem Herzen?

Kyrie eleison!

Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,

das trug Maria unter ihrem Herzen.

Jesus und Maria!


3. Da haben die Dornen Rosen getragen,

Kyrie eleison!

Als das Kindlein durch den Wald getragen,

da haben die Dornen Rosen getragen.

Jesus und Maria!


„Maria“: Ein klarer Fall für Vokalausgleich!

Gleich das erste Wort „Maria“ verdient ein bisschen besondere Beachtung: Es hat zwei sehr unterschiedliche Vokale, A und I. A und I sind insofern unterschiedlich, als sich unsere Mundform stark verändert, wenn wir sie sprechen.

Beim A ist der Kiefer weiter geöffnet, und weil die Zunge flach im Unterkiefer ruht, ist in der Mundhöhle deutlich mehr Raum. Beim I dagegen hat die Zunge Kontakt zum oberen Gaumen. Viel Platz bleibt da nicht!

Die meisten Menschen finden die A-Öffnung zum Singen angenehmer, und es gelingt ihnen damit eher, einen offenen, freien Ton zu produzieren.

Mein erster Tipp ist also, beim Wechsel von „Ma“ zu „ri“ die Mundöffnung nicht zu verändern. Das kommt Dir vielleicht komisch vor, aber es geht! Versuch, das I mit der Öffnung vom A zu singen. Gesungene Vokale klingen etwas anders als gesprochene, das hat mit dem Vokalausgleich zu tun, den ich hier erkläre:

https://www.stimm-erfolg.de/post/vokalausgleich-warum-ist-magermilchjoghurt-gut-fuer-den-darm-aber-nicht-fuers-singen.

Als Hilfe kannst Du Dir auch vorstellen, Du hättest beim Singen eine kleine Weintraube hinten zwischen Deinen Backenzähnen. Du darfst sie weder verlieren noch zerbeißen. Dann sollte sie Öffnung stimmen :-)


Große Intervalle beim Singen mit dem Körper unterstützen

Gleich mit dem ersten „Maria“ macht die Melodie einen etwas größeren Sprung nach oben.

Zwischen erstem und zweitem Ton kannst Du

a) die Flanken weiten (seitlich am Oberkörper, zwischen unteren Rippen und Beckenknochen die Muskeln beim Einatmen nach außen dehnen)

b) Dich auf Deinem ganz persönlichen Känguru-Schwanz abstützen.

Hier erkläre ich, wie das geht: https://www.stimm-erfolg.de/post/hohe-toene-wie-der-untere-ruecken-deine-stimme-unterstuetzt

Die Sache mit dem Känguru-Schwanz kannst Du auch gleich wieder beim Sprung zu „ein‘“ (vor Dornwald...) anwenden.


Schnarchen für den richtigen Stimm-Sitz

Vom ersten Ton des Liedes bis hierher hast Du schon eine ganze Oktave an Tonhöhe überwunden. Damit diese ersten Noten möglichst ausgeglichen und einheitlich klingen, kannst Du die ersten fünf Töne der Melodie einmal rückwärts singen. D.h., beginn mit dem obersten Ton („ein‘“) und sing die Linie abwärts.

Spür in Dich hinein, wo im Kopf / Mund / Gaumen Du diesen obersten Ton besonders stark wahrnehmen kannst.

Du merkst nichts? Dann versuch es mal mit Schnarchen beim Einatmen!

Da, wo das Schnarchgeräusch entsteht, ist das Gaumensegel. Beim Schnarchen hebt es sich an und erweitert so den Rachenraum nach oben. Dieser Punkt bietet eine gute Orientierung dafür, wo Du die hohen Töne ansetzen kannst.

Wenn Du das Lied beginnst, solltest Du diesen oberen Ansatzpunkt schon mitdenken, denn da musst Du ja gleich hin! Beim Üben kannst Du also schnarchend einatmen und versuchen, alle Töne schon mit diesem Raum im Rachen zu verbinden, sie „darunter zu hängen“. Das wird übrigens leichter, wenn Du den tiefen Anfangston nicht zu laut singst.

Hier ist die Sache mit dem Stimmsitz noch genauer erklärt https://www.stimm-erfolg.de/post/hohe-toene-singen-wie-der-stimmsitz-dir-hilft.

Spätestens beim „Kyrie eleison“ solltest Du eine Verbindung zu dieser hohen Position und dem Raum herstellen – und dann eisern da bleiben! Das hilft Dir nämlich auch, die Intonation während der abwärts führenden Linie bei „der hat in sieb’n Jahr’n kein Laub getragen“ besser zu halten.


Ein Stuhl hilft, die Intonation zu halten

Solltest Du trotzdem Probleme damit haben, dass die Intonation „absackt“, dann hilft es Dir, entgegen gesetzt zur abwärts führenden Melodielinie einen Stuhl anzuheben: Dreh ihn mit der Lehne zu Dir hin und heb ihn beim Singen langsam mit leicht gestreckten Armen nach oben. Es sollte eine Spannung im Rücken dabei entstehen.


Das letzte „Jesus und Maria“ kannst Du wie den Anfang behandeln.


Die übrigen Strophen sollten nun kein Problem mehr darstellen. Falls doch, dann schreib mir gerne! Oder möchtest Du Dein ganz persönliches Lieblings-Weihnachtslied genauer unter die Lupe nehmen? Dann können wir uns gerne zu einer (oder mehreren) Stunde(n) Gesangsunterricht verabreden, online oder vor Ort in Hannover.

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