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  • Miriam

Wie der Neustart nach einer Stimmpause gelingt

Ich bin aus meiner Sommerpause zurück und freue ich mich, dass es wieder weitergeht mit Unterrichten und Stimm-Workshops.

Der Neustart nach dem Urlaub ist auch für mich immer etwas mühsam, denn einige Wochen lang habe ich wirklich GAR nicht gesungen und stattdessen die Stille in den schwedischen Schären genossen.

Jetzt es ist wie beim Sport: Die Muskeln wollen nach der Pause einfach nicht so wie ich es will. Das betrifft zum einen die Stimme an sich, zum anderen aber auch die Atemmuskulatur bzw. Stütze. Geläufigkeit, Ausdauer, Umfang, Klang... alles ist derzeit „ausbaufähig“.


Dafür kann ich jetzt wieder umso besser nachvollziehen, was für manch eine*n z.B. die Corona-Stimmpause (oder eben auch nur eine Sommerpause!) bedeutet hat oder auch jetzt noch bedeutet.

Es kann frustrieren, wenn der Geist willig, aber das Fleisch schwach ist... ;-)


Ich kenne diesen Zustand natürlich schon, und trotzdem denke ich jedes Jahr an dieser Stelle: „O Gott, ob das nochmal was wird?!“. Zum Glück weiß ich inzwischen: Ja, natürlich!

Aber, und das ist mein wichtigster Tipp für heute:

Es braucht Geduld!


Zu viel ist schädlich

Zu Beginn meines Studiums habe ich einmal nach den Semesterferien gedacht, ich könne alles versäumte Üben quasi an einem Tag wieder aufholen. Ich stellte mich stundenlang in die Übezelle (so heißt das tatsächlich in den Musikhochschulen!) und ging davon aus, dass ich einfach da anknüpfen könnte, wo ich einige Wochen vorher aufgehört hatte.

Ich sang meine Arien wieder und wieder, frei nach dem Motto „viel hilft viel“. Die hohen Stellen bearbeitete ich besonders fleißig und in dem festen Glauben, dass sie dann ganz schnell wieder so mühelos gelängen wie vor der Pause.

Weit gefehlt!

Die traurige Wahrheit war: Durch Unwissenheit und mangelhafte Technik hatte ich meine Stimme völlig überlastet. Für längere Zeit war ich anschließend stimmlich komplett außer Gefecht gesetzt.

Wenigstens habe ich damals diese Lektion gelernt: Nach einer längeren Pause dauert es eine Weile, bis man seiner Stimme wieder alles zumuten (und zutrauen) kann, was man vorher konnte.

Darum hier meine


Tipps für den Neustart:

1. Ich übe nur in kurzen Zeitintervallen, die ich täglich ausdehne. Besser mehrmals kurz als einmal lang.

2. Ich singe mich gut ein und bleibe dabei hauptsächlich in meiner Bequemlage.

3. Wenn ich die Höhe übe, achte ich besonders gut auf Verbindung zum Körper (ich habe schon öfter Übungen dazu beschrieben, z.B. hier).

4. Ich steigere mein „Höhentraining“ langsam über mehrere Tage bzw. Wochen.

5. Ich übe nach dem Motto "Bunte Tüte": Hoch, tief, schnell, langsam, legato, staccato - von allem ein bisschen.

6. Ich singe nur, solange ich mich wirklich auf das, was ich tue, konzentrieren kann.

7. Ich versuche, gnädig mit mir zu sein. Jetzt ist nicht die Zeit für übertriebenen Perfektionismus. Es darf ein Weilchen dauern, bis alles wieder so klingt und funktioniert wie gewohnt.


Die Pause als Chance begreifen

Außerdem: Solch eine längere Pause bietet auch immer eine Chance!

Manchmal schleichen sich im Laufe der Zeit ja auch schlechte Angewohnheiten ins Singen bzw. die Gesangstechnik ein. Nach einer längeren Pause hat man immer auch die Chance, ganz bewusst mit Stimme und Körper umzugehen. Manche Automatismen oder Verspannungen, die wir in unserer Stimm-Routine gar nicht mehr bemerkt haben, haben sich während der Pause gelöst, und ein neues stimmliches und körperliches Fundament kann gelegt werden.


Wenn Du Dir für Deinen Wiedereinstieg ein wenig Hilfe wünschst, dann meld Dich gerne bei mir zur „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mit gezielten Übungen im Gesangsunterricht oder Stimmtraining ist Deine Stimme sicher bald wieder in Form! In 3-5 Stunden lernst Du, wie Du zu Hause effektiv weiter trainieren kannst. Spaß inklusive.




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