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  • Miriam

Woran man guten Gesangunterricht erkennt - Acht Kriterien für guten Gesangsunterricht

Du möchtest Gesangsunterricht nehmen, aber Du weißt nicht, wie Du guten von weniger gutem unterscheiden kannst? Ich habe hier die meiner Meinung nach wichtigsten Kriterien für guten Gesangsunterricht zusammengestellt.

1. Spaß

Gesangsunterricht soll Dir Spaß machen.

Wenn man Spaß an einer Sache hat, dann beschäftigt man sich nämlich gerne und oft damit.

Singen lernen und Sport haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick denkt, darum ist regelmäßiges Training bzw. Üben hilfreich und wichtig.

Wie beim Sport müssen auch für das Singen bestimmte Muskeln aufgebaut werden, die z.B. die Atmung unterstützen. Außerdem muss die Koordination von verschiedenen Muskeln und Bewegungsabläufen erlernt werden. Wenn Du in Deinem Unterricht Übungen und Lieder kennenlernst, die Dir Spaß machen, und die Du auch zu Hause gerne singst, dann kommst Du schneller voran. Das führt uns zu:



2. Du machst Fortschritte

Fortschritt beim Singen kann ganz unterschiedlich „gemessen“ werden. Manche meiner Schüler*innen kommen in den Gesangsunterricht, weil sie in einem Chor singen, aber in den Proben heiser werden und sich angestrengt fühlen. Gesangsunterricht hilft Dir dabei, ausdauernder und leichter zu singen.

Manche stellen beim Singen fest, dass sie mit den ganz hohen oder tiefen Tönen Probleme haben. Unterricht hilft Dir, Deinen Tonumfang zu erweitern. Und wieder andere können nur ganz laut oder sehr leise singen oder sind mit ihrer Stimmfarbe nicht glücklich. Auch damit beschäftigt sich Gesangsunterricht.

Insgesamt kann man also sagen: Mit gutem Unterricht werden Deine stimmlichen Möglichkeiten im Laufe der Zeit wachsen. Das hat zur Folge, dass Du eine immer größere Auswahl an Stücken, Arien oder Liedern singen kannst. Außerdem bekommst Du immer größere Freiheit, Stücke so zu gestalten, wie Du es möchtest. Du kannst Dich besser und abwechslungsreicher ausdrücken und (wenn Du vor Publikum singst) auf diese Art Deine Zuhörer begeistern.

Bist Du nach Deinem Gesangsunterricht immer wieder dauerhaft heiser oder fühlst Dich sehr angestrengt, dann solltest Du das unbedingt ansprechen. In Maßen kann das normal sein: da es beim Singen (auch) um das Trainieren von Muskeln geht, müssen diese hin und wieder gefordert werden, um sich weiterzuentwickeln. Das darf aber kein Dauerzustand sein.

3. Individualität

Eben gerade war von gestalterischer Freiheit die Rede. Sie ist das, was mich persönlich beim Singen antreibt.

Das, was Du durch Deinen Gesang ausdrücken und wobei Unterricht Dich unterstützen soll, bestimmst Du. Natürlich hat Deine Stimme eine bestimmte „biologische“ Veranlagung. So wie jemand blond oder dunkelhaarig zur Welt kommt, so ist er oder sie auch mit einer individuellen Stimme ausgestattet. Guter Gesangsunterricht hilft Dir aber, aus Deiner Stimme alles heraus kitzeln, was in ihr steckt.

Stimme ist etwas sehr Individuelles, Persönliches. Deshalb sollten auch die verwendeten Methoden im Unterricht individuell auf Dich abgestimmt sein. Jede*r kommt mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Unterricht, und darum sind auch verschiedene Herangehensweisen gefragt. Manche*r hat zu viel Körperspannung, manche*r zu wenig, einige ziehen unbewusst ihren Kehlkopf nach oben beim Singen, andere drücken ihn krampfhaft nach unten. Eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer stülpt Dir nicht ein bestimmtes Konzept über, sondern schaut und hört ganz genau hin, was Du gerade brauchst. Die berühmte Gesangspädagogin Franziska Martienßen-Lohmann formulierte es so: „Der Schüler ist die Methode.“ Damit Du Deinen ganz persönlichen Klang finden kannst und nicht klingst wie Hinz oder Kunz.

4. Körperbezug

Beim Gesangsunterricht ist Dein ganzer Körper das Instrument. Deshalb machen Stimmübungen nur einen Teil dessen aus, woran im Unterricht gearbeitet wird.

Ich beginne meistens mit Tipps und Übungen zur Haltung meiner Schüler*innen. Eine aufrechte Haltung ist die Voraussetzung für einen frei fließenden Atem und auch dafür, dass Dein Kehlkopf (er beherbergt die Stimme) gut positioniert ist. Außerdem geht es natürlich um die Atmung, an der mehr oder weniger direkt Dein gesamter Körper beteiligt ist. Und dann geht es um das Zusammenspiel mit der Stimme.

Ich halte nicht viel davon, die verschiedenen Aspekte dauerhaft getrennt voneinander zu betrachten. Beim Singen greift alles in einander. Aber die Zusammenhänge sollten Thema im Unterricht sein.

5. Die Seele singt mit

Für mich ist Gesang die unmittelbarste Möglichkeit, mich musikalisch auszudrücken. Beim Singen machen wir mit unserer ganzen Persönlichkeit Musik. Es gibt Tage, an denen sind wir am liebsten still. An anderen Tagen singen, summen oder pfeifen wir vor uns hin, weil wir unbeschwert und gut gelaunt sind. Singen ist klingender Atem. Beobachte doch mal Deinen Atem, wenn Du wütend bist – oder entspannt auf dem Sofa sitzt und vom letzten Urlaub träumst. Unser Atem transportiert unsere Emotionen.

Wenn wir singen und mit unserem Gesang andere Menschen berühren wollen, dann funktioniert das in erster Linie darüber, dass wir es schaffen, unsere eigenen Gefühle nach außen zu transportieren. Vielen gelingt das ganz von allein. Für andere ist es ein Wachstumsprozess, eine Art „Mut-Wachstumsprozess“. In diesen Fällen ist Gesangsunterricht wie ein guter Freund oder Mentor, der Dich dabei begleitet und Dir Raum gibt zu wachsen.

6. An Stärken orientiert

Damit Du in Deinem Unterricht zu einer Sänger-Persönlichkeit wachsen kannst, sollte er bei dem ansetzen, was Du gut kannst. Von Deinen allerschönsten, mühelosesten Tönen ausgehend kann sich Deine Stimme weiter entwickeln. Niemand hat etwas davon, wenn ihm oder ihr im Unterricht gesagt wird, was alles schlecht ist. Meistens hat man ja selber ein ziemlich gutes Gespür dafür, wo es klemmt. Nein, Ausgangspunkt für Deine Entwicklung sollte sein: „Diese Stelle hier, die war besonders schön. Versuch doch mal, diese anderen zwei Takte ein bisschen später genauso offen (frei, intensiv, klangvoll...) zu singen.“ – oder etwas in der Art. Guter Unterricht kritisiert nicht nur und sagt, was Du nicht machen sollst, sondern gibt konkrete Hinweise darauf, was Du stattdessen machen kannst. Der Hinweis, dass Du „unsauber“ oder „schief“ singst, bringt Dich nicht weiter, wenn Dir nicht erklärt wird, was Du tun kannst, um „sauber“ oder „mit der richtigen Intonation“ zu singen.

7. Wissensvermittlung

An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Manche Gesangslehrer*innen sind der Meinung, dass das Wissen über stimmliche Zusammenhänge Sänger*innen nur verwirrt und möglicherweise sogar verkrampfen lässt. Ich teile diese Ansicht nicht.

Dass ich mich als Lehrerin mit Stimmphysiologie auskennen muss, steht für mich völlig außer Frage. Ich trage eine große Verantwortung dafür, dass die Stimme meiner Schüler*innen keinen Schaden nimmt durch falsche Gesangstechnik. Anders als beim Klavierunterricht kann man in der Gesangsstunde bei weitem nicht alles sehen, was der oder die Singende gerade tut. In Abwandlung eines bekannten Sprichwortes würde ich in diesem Zusammenhang sagen: „Man sieht nur mit den Ohren gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Wenn ich meinen Schüler*innen Hinweise gebe oder ihnen bestimmte Übungen empfehle, dann möchte ich, dass sie verstehen, warum sie das eine tun oder etwas anderes lassen sollen. Das heißt nicht, dass sie jeden Kehlkopfmuskel benennen können sollen, aber mir ist wichtig, dass sie die logischen Zusammenhänge des Singens begreifen, um nach und nach unabhängiger und emanzipierter von mir zu werden.

Mein Gesangslehrer sagte im Studium zu mir: „Als Sänger hat man gute und schlechte Tage. Aber Sie müssen lernen, auch an schlechten Tagen gut zu singen.“ Dafür ist es wichtig zu wissen, wie und mit welchen Mitteln man sich selber helfen kann – auch wenn gerade kein*e Lehrer*in in der Nähe ist.

Ich plädiere für Wissen und Verstehen, damit Du Dir Stücke immer leichter selber erarbeiten und so gestalten kannst, wie Du das möchtest. Am Ende geht es darum, mit dem Gesang Gefühle und Inhalte zu vermitteln. Je mehr technische Möglichkeiten Du hast, desto größer ist dein Gestaltungsspielraum, um das umzusetzen.

8. Erfahrung des Lehrers / der Lehrerin

Das unter 4. erwähnte Wissen kann die Lehrerin oder der Lehrer in einem Studium erworben oder durch persönliche Erfahrungen als Sänger*in gewonnen haben. Ich finde, am besten beruht es auf beidem.

Im Gesangspädagogik-Studium an einer Musikhochschule wird zum einen das fachlich-stimmliche Knowhow vermittelt, das für guten Unterricht benötigt wird. Zum anderen steht aber auch die pädagogische Vermittlung der Inhalte im Fokus. Man lernt und übt dort, wie guter Gesangsunterricht ablaufen sollte. Je mehr Unterrichts-Erfahrung mit Schüler*innen jemand schon gesammelt hat, desto leichter fällt es ihm oder ihr, bestimmte Inhalte zu vermitteln oder Probleme zu lösen. Für Dich bedeutet das, dass Du dann schneller vorankommst.

Manche Gesangslehrer*innen sind auf klassische Gesangstechnik spezialisiert, andere auf Pop-Gesang. Die Grundlagen sind in beiden Stilistiken ähnlich. Wenn Du in einem klassischen Chor mitsingen möchtest, dann ist die klassische Gesangstechnik für Dich besser geeignet. Umgekehrt gilt: Möchtest Du in einer Band singen, dann solltest Du nicht wie ein Opernsänger klingen, und Du brauchst eine*n Lehrer*in, um die entsprechende Technik zu erlernen.

Ich persönlich finde es auch wichtig, dass, wer unterrichtet, selber mal als Sänger*in auf der Bühne gestanden hat oder noch steht. Im Scheinwerferlicht gelten andere Gesetze als in der Gesangsstunde – und darauf sollte der Unterricht vorbereiten. Andersherum sind aber nicht zwangsläufig die tollsten Sänger*innen auch die besten Lehrer*innen.

Unterricht bei einer gut ausgebildeten Lehrkraft hat seinen Preis. Guter Gesangsunterricht kostet etwa 40-60€ pro Stunde. Dafür wirst Du hier schneller Fortschritte machen und läufst weniger Gefahr, dass Deine Stimme durch falsche Technik Schaden nimmt – was schlimmstenfalls sogar Dein stimmliches Aus bedeuten kann.

Uff, das war ganz schön ausführlich! Ich hoffe, ich konnte Dir bei Deinen Überlegungen weiterhelfen. Am besten ist es, wenn Du mit dem/der Gesangslehrer*in Deiner Wahl eine Probestunde vereinbarst. Dann könnt Ihr Euch gegenseitig kennenlernen. Wichtig ist nämlich auch, dass im Unterricht zwischen den Beteiligten die „Chemie stimmt“. Sonst ist es schwierig, das nötige Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Du in einem Unterricht hospitierst, also zuhörst, wenn jemand anders unterrichtet wird. Das ist spannend, und Du bekommst einen guten Einblick in die Arbeitsweise des Lehrers oder der Lehrerin.

Bei mir ist das beides unkompliziert jederzeit möglich. Wir können gleich einen Termin dafür vereinbaren. Ich freue mich auf Dich.

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© 2020 by Miriam Meyer - Gesangsunterricht und Stimmtraining in Hannover