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  • Miriam

„How to Weihnachtslied“- Wie singe ich "Es ist ein Ros' entsprungen"?

Aktualisiert: 24. März

Heute gibt es gleich zwei Tipps fürs Singen:

Zum einen gibt es wie versprochen Tipps zum Singen eines weiteren Weihnachtsliedes: „Es ist ein Ros‘ entsprungen“.

Zum anderen geht es darum, dass nicht immer alles, was wir tun, „perfekt“ sein muss. (Hier noch ein anderer Artikel zum Thema „Perfektionismus“)

Das gilt natürlich gerade dann, wenn wir dabei sind, etwas Neues zu lernen, wie z.B. das Singen. Es gilt aber auch für alle möglichen anderen Projekte, die wir uns im Alltag vornehmen. Übertriebener Perfektionismus lässt sie uns nicht zu Ende bringen oder, noch schlimmer, hindert uns daran, sie überhaupt zu beginnen. Weil wir denken, wir könnten etwas nicht gut genug.

Ich finde:


Perfektion ist relativ.

Und wie heißt es so schön: „Aus Fehlern lernt man.“...!


Damit es nicht bei bloßen Worten bleibt, schicke ich diesmal eine Aufnahme von mir mit (Klavier spielt Imke Marks), die ich selber auch nicht perfekt finde: Einige Töne klingen in meinen Ohren ein kleines bisschen zu tief, andere habe ich „von unten angesungen“, und zusehen darf ich mir beim Singen am besten auch nicht... Wie oft predige ich meinen Schüler:innen, sie sollen das Gesicht entspannt lassen – aber bei mir selber ist die Stirn beim Singen von tiefen Furchen durchzogen.


Das soll hier kein „Fishing for compliments“ werden.

Mir ist bewusst, dass viele denken „Die hat ja leicht reden, das hört doch kein Mensch!“

Nur: Ich höre (und sehe) es, und manch andere:r wird das auch tun. Und was denken die dann über mich? Solche Gedanken verunsichern - und haben auch mich zögern lassen, die Aufnahme hier einzustellen.

Das ist symptomatisch: Wir setzen einerseits selber unsere Messlatte sehr hoch und fürchten zusätzlich das strenge Urteil anderer. Wer macht sich schon gerne verletzlich?! Perfektion aus Selbstschutz sozusagen.

Der Grund, warum ich mich trotzdem entschieden habe, das Video hier zu verlinken ist: Ich finde, es ist bei aller „Unvollkommenheit“ doch „gut genug“.

- Es ist ein schönes, eher einfaches Weihnachtslied und keine Bravourarie.

- Wir hatten Freude beim Musizieren.

- Es besteht die Hoffnung, dass die Aufnahme doch dem einen oder der anderen Freude bereitet.

- Ich nutze die Gelegenheit, um zu beschreiben, worauf ich im Falle einer neuerlichen Aufnahme des Liedes achten würde, um die Dinge abzustellen, die mich persönlich stören.

- Vielleicht hilft Euch das dann beim Nachsingen.


Einfach mal lossingen

Ein wichtiger Grund ist tatsächlich, andere zu ermutigen, auch los zu singen – ganz ohne hinderliche Gedanken und Selbstzensur. Hab Spaß am Singen und an der schönen Melodie! Ist es das nicht wert, übergroße Ansprüche an Dich und ein vermeintlich perfektes Ergebnis zu überwinden? Wie eingangs erwähnt: Perfektion ist relativ.

Es geht um den Spaß am Tun, und wenn Du möchtest, auch ums Lernen von etwas Neuem.


Jetzt aber zu den Tipps für „Es ist ein Ros‘ entsprungen“.


0. Einsingen

Mit diesen einfachen Übungen schaffst Du es locker alleine


1. Legato singen

Besonders aufregend ist die Melodie ja nicht. Es gibt keine großen Intervalle, mal abgesehen von den Sprüngen von einer Textzeile zur nächsten. Dafür gibt es relativ viel Text, pro Ton eine Silbe.

Um das Lied schön legato zu singen, denk Dir die Vokale alle extra lang. Du kannst den Text einmal vorweg sprechen wie folgt: „EeesiiistaaaenRoooseeentspruuungeeen, aaaosaaaenaaawuuurzeeelzaaart...“

Beim Singen werden die Diphtonge („ei“, „au“, „eu" / „äu“) anders geformt als die Buchstaben es vermuten ließen: Aus dem gesprochenen „ei“ wird gesungen „aaae“, aus „aus“ wird „aaaos“. Soll heißen, der erste Buchstabe wird sehr lang gesungen, der zweite nur ganz kurz am Ende des Tons. Wegen des Vokalausgleichs (ich habe ihn hier erklärt), gleicht man den zweiten Buchstaben an den ersten an.


Es gibt ein Video mit Luciano Pavarotti, in dem er über Gesangstechnik spricht. Er nutzt dabei das Geräusch, das Flugzeuge machen, um zu demonstrieren, dass Atemstrom und Klang nie abreißen dürfen beim Singen. Wenn man im Flugzeug sitzt, ist man umgeben von diesem Brummen „wwwwwwwwwwww“. Sobald das aufhört, hat man ein Problem... ;-).

Du kannst den Atemstrom beim Singen ganz ähnlich behandeln. Er soll nicht abreißen, weder bei den Vokalen, noch bei den Konsonanten. Auch sie sollen auf dem Atemstrom fließen. Gar nicht so leicht! Vor allem, da Du gleichzeitig beachten solltest, dass daraus kein Pressen oder Schieben der Luft wird.

Um das zu verhindern, hilft es Dir, wenn Du gleichzeitig die Vorstellung hast, etwas sehr Schweres zu Dir heranzuziehen (stell Dir vor, Du bist Teilnehmer:in bei „Wetten, dass“ und ziehst ein Kreuzfahrtschiff mit bloßen Händen in den Hafen.)


2. Absteigende Linien singen

Das Lied besteht überwiegend aus Abwärts-Phrasen. Die sind oft gefährdet durch Absacken der Intonation.

Um dem entgegen zu wirken, hilft Dir zum einen ebenfalls das Bild bzw. das Körpergefühl aus der erwähnten „Wetten, dass“-Aktion.

Außerdem hilft Dir ein hoher Ansatzpunkt des Klanges in der Mitte Deines Kopfes. Du kannst ihn leicht aufspüren, wenn Du schnarchst. (Über den Stimmsitz habe ich hier geschrieben.) Dahinten im Rachen, wo das Schnarchen erzeugt wird, sprechen wir auch das „ng“ (wie in „hing“). Sing doch mal das ganze Lied auf „ng“. Wenn Du dann wieder auf die Textversion wechselst, versuch weiter, Deinen Klang dort anzulehnen.

Entscheidend ist es, das Singgefühl aus dem Hals heraus und eine Etage weiter nach oben in den Kopf zu transportieren, in den oberen Rachen.

Bei solchen absteigenden Linien wie hier im Lied ist es hilfreich, in einer Art Gegenbewegung zu den Noten die Töne „im Kopf“ immer weiter oben zu spüren.


Und damit bin ich auch schon bei dem angelangt, was ich mir selber im Falle einer erneuten Aufnahme raten würde: Im Video gerät mir das „Ros‘“in der ersten Strophe ein bisschen tief. Ich würde beim nächsten Mal diesen Ton ein kleines Stück weiter oben im Kopf ansetzen. In meiner ganz persönlichen Vorstellung ist das o dann eher ein 0 (ich stelle mir die Weite im Hals tatsächlich bildlich so vor), es hat mehr Platz nach oben im Rachen, hinter dem Gaumensegel.

In der dritten Strophe sitzt beim „Blümelein“ das „l“ der Silbe „lein“ nicht da, wo es sitzen sollte, sondern weiter unten. Ich sollte es ebenfalls weiter oben ansetzen, es schon auf der richtigen Tonhöhe sprechen.

Das in-Falten-Legen der Stirn hilft übrigens dabei, diesen hohen Ansatz zu erzeugen. Nichtsdestotrotz sieht es nicht gut aus :-) Besser wäre es, darauf zu verzichten, und allein durch mehr innere Weite den Klang zu finden. Aber man braucht ja Ziele im Leben...


3. Ein musikalischer Hinweis

Häufig werden bei diesem Lied die ersten Töne der einzelnen Phrasen betont: ES ist ein Ros‘ entsprungen, AUS einer Wurzel zart. WIE uns die Alten sungen, VON Jesse kam die Art.

Das ist nicht schön. Versuch stattdessen, Deine Bögen bis zu „SPRUNGen“ und „ZART“ zu führen – oder welche Silben Du auch immer hervorheben möchtest. Alles ist besser als die oben beschriebene Leierei...


Ich hoffe, die Tipps helfen Dir, um gleich mit Spaß los zu singen und Deine Stimme auszuprobieren.

Ich wiederhole mich: Schick mir gerne Deine Fragen oder meld Dich, wenn Du im Gesangsunterricht Deine ganz persönlichen Tipps bekommen möchtest. Und: Teil den Artikel mit anderen, die gerne singen. Danke!

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